Bedrückende Bilder, glückliche Momente

Pfarrgruppe St. Nikolaus Wickstadt/St. Maria Magdalena Dorn-Assenheim unterstützt Hilfstransporte in die Ukraine



Niddatal/ Florstadt/ Reichelsheim (hh) Der Krieg, den der russische Präsident Wladimir Putin gegen die Ukraine führt, hat nicht nur Wut und Betroffenheit ausgelöst. In die gleichzeitige Welle der Solidarität hat sich jetzt auch Markus Minnich eingereiht. “Wir wollten nicht nur Geld spenden, sondern auch aktiv etwas für Flüchtende und die Bevölkerung in den umkämpften Gebieten tun “, motivierte der Niddataler Arbeitskollegen und Bekannte und knüpfte Kontakte zur Pfarrer Kai R. Wornath.

Dieser steuerte den Pfarrbus zum Transport der Hilfsgüter bei. So fanden durch die Initiative von Minnich und seinen Mitstreitern Sachspenden im Wert von circa 12.000 € und Gelder von über 4500 € den Weg in die Ukraine. Was als Road Trip begann, endete mit vielen bedrückenden, tränenreichen, aber auch glücklichen Momenten.

Gesponsert mit 2000 € Benzingeld und vier Tagen Sonderurlaub vom Arbeitgeber führte die Route das fünfköpfige Helferteam mit drei Bussen über Görlitz an die polnisch-ukrainische Grenze. Hier befindet sich eines der vielen Auffanglager für Flüchtlinge. Überfüllt, aber von polnischer Seite gut organisiert, berichtet Minnich. Rund 85 km östlich liegt die nächst größere ukrainische Stadt Lviv, das frühere Lemberg.

Unzählige Hilfs- und Rettungstransporte inmitten von Militärkolonnen kreuzen ihren Weg. Letztere befördern Panzer und Flugabwehrgerät. Dabei trafen sie den in Deutschland lebenden Ukrainer Ilja, der einen mit Hilfsgütern beladenen VW Crafter steuerte. Minnich plante, ihn zurück nach Hessen zu bringen, doch Pläne ändern sich hier schnell. Spontan nahm besagter Ilja ein älteres Ehepaar auf und fuhr es mit deren Fahrzeug zu Verwandten in Deutschland. Für Minnich und seine Kollegen ein freier Platz mehr, um weitere Flüchtende in Sicherheit zu bringen.

Begegnungen mit dem überall präsenten Militär gab es hingegen eher ungewollt. Lediglich bei der Fahrt zur geplanten Übergabe der Hilfsgüter stieß der Konvoi ungewollt auf eine NATO-luftabwehrstellung. Minnich beeindruckt: “Wir verließen das Gelände schnellstmöglich, unser Respekt war größer als unsere Neugier. “

Das Verladen der Sachwerte erfolgte über einen ukrainischen Kontakt in einen 40-Tonner direkt in das Kriegsgebiet. “Hier ist die Versorgungslage am dramatischsten “, beschreibt Minnich die aktuelle Situation. Kurz vor der Übergabe erreichten die Helfer Nachrichten aus Mariupol, wo mittlerweile über 80 % der zivilen Gebäudesubstanz zerstört sind. “Das bestätigte unseren Wunsch, den Menschen direkt in der Krisenregion zu helfen. “

Siebzehn Personen fanden in den Bussen aus der Wetterau den Weg zu sicheren Zielen. Englisch Kenntnisse erleichterten die Konversation besonders über die Umstände der Flucht. So berichtete Dimitri vom täglichen Beschuss seiner Heimatstadt Kiew. Die ukrainische Hauptstadt ist derzeit täglichen Bombardements von Artillerie und Raketen ausgesetzt. Fotos auf seinem iPad dokumentieren das Ausmaß der Zerstörungen.

Die Lehrerin Irina floh in überfüllten Bussen und Bahnen quer durch das Land aus dem am stärksten umkämpften östlich gelegenen Donbass. Minnich erzählt von ihren Erlebnissen aus dem Unterricht in Kriegszeiten. “In ihren Worten zeigte sich die pure Verzweiflung. “ Frei übersetzt sagte sie: “Was soll ich den Kindern anderes sagen, außer dass wir angegriffen werden und das Krieg herrscht. Wie soll ich Ihnen erklären dass ihre Väter kämpfen müssen. “

Zu den bedrückenden Momenten zählten auch die Begegnungen in den überfüllten Auffanglagern. “Wir warteten auf einem Parkplatz davor “, ist sich Minnich “Reisebusse aus der Ukraine brachten meist Frauen und Kinder.“

In einer Schlange Stand eine siebenköpfige Familie mit einem einzigen Handgepäck-großen Koffer. Am Ende ein kleines Mädchen, alleine, traurig und müde. Und in ihren Händen ein winziger Hamsterkäfig. Ein Hamster und ein kleines Laufrad – es war das einzige, was sie dabei hatte. Minnich bekennt: “da kamen mir die Tränen, da sind Bei mir sämtliche Dämme gebrochen. “

Irina und Dimitri übergab er ihren Familien am Frankfurter Hauptbahnhof. Auch die weiteren 15 mitgereisten Personen Carmen individuell unter, mussten nicht in eine Notaufnahme. Für Markus Minnich Ein Grund zur Freude, Aber auch zum Appell: “wer freien Wohnraum hat, sollte diesen zur Verfügung stellen. Sie glauben gar nicht, Wie gut die dankbaren Blicke der eigenen Seele tun. “

Auf der Heimfahrt nach Niddatal denkt er wieder an Dimitri und Irina: “Ich hatte das Gefühl, Als hätte ich meine beiden besten und engsten Freunde verloren.“

Übrigens: am 31. März Sind Minnich und seine Kollegen erneut in Richtung Ukraine aufgebrochen. Scherzhaft bezeichnen sie sich als Wiederholungstäter. Im Gepäck haben Sie medizinische Hilfsgüter Wie Verbandsmaterial, Medikamente oder Erste-Hilfe-Sets, benötigt werden auch Hygieneartikel und haltbare Lebensmittel. Spendengelder nimmt auch die Pfarrgruppe Wickstadt/Dorn-Assenheim entgegen. Informationen unter 06035 5196 und 3333 sowie der Webseite http://www.bistum-Mainz.de/pfarrgruppe/wickstadt/Dorn–Assenheim/Index/HTML

Foto: Busse mit Friedberger Kennzeichen im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet: Markus Minnich und sein Team haben Hilfslieferungen organisiert

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