Rhinodevous

3. Juni – Etosha / Otavi

Neue Geschichten aus Etosha. Heute überqueren wir den Park querbeet. Immer noch auch der Suche aus den Big 2 zumindest die Big 3 oder Big 4 zu sehen. Nur der Büffel ist hier definitiv nicht heimisch, in Bezug auf Namibia tummelt er sich im äußerten Norden, dem als Pfannenstiel bekannten Caprivi-Zipfel.

Übrigens kann man ganz schnell zu einem Nashorn-Besitzer werden. Das hiesige Gesetz unterscheidet zwischen Wild- und Nutztieren. Wenn mein Nutztier aus meinem Gehege in das Revier des Nachbarn ausbüxt, kann ich es gleich wieder holen. Wenn aber der gleiche Nachbar gestern ein Nashorn für eine fünf- oder gar sechsstellige Summe erworben hat und das auf mein Grundstück ausbüxt, dann kann ich es behalten. Muss eben nur sicherstellen, dass der gehörnte Zeitgenosse nicht gleich wieder das weite sucht. 

Wir sind keine 30 Minuten unterwegs, da taucht er auf, der König der Tiere höchstpersönlich. Aus dem Gebüsch macht er sich Richtung Wasserloch. Die bereits dort befindlichen Zebras erstarren erst vor Schreck und mutieren dann zum Zaungast. Wie die Erdmännchen gestern beobachten sie regungslos das Geschehen, während der Löwe seinen Morgenkaffee zu sich nimmt. Doch nicht nur das. Danach gibt’s Frühsport. Er streckt und dehnt sich wie eine müde Katze. Ok, ist ja auch eine. Gibt dann furchtergreifendes Gebrüll zum besten, schreitet auf uns zu – denn Löwen nehmen zum Frühstück doch lieber ein Stück Fleisch als Spiegeleier. Offensichtlich beobachtet er aber nur das Geschehen, lässt sich fotogen ablichten und verschwindet wieder dorthin, wo er her gekommen ist.

Ein ganz anderes faszinierendes Spektakel ist rund zwei Stunden später zu beobachten. Hunderte, wenn nicht gar über tausend Zebras stehen einer Wasserstelle. Aber nicht alle auf einmal, sondern diszipliniert in einer Schlange. Mehrere trinken, gehen weg und die Schlange nähert sich Schritt für Schritt dem feuchten Nass. Plötzlich tritt eines der vorderen Zebras den Rückzug an. Wittert es Gefahr durch einen Löwen oder Leopard? Was für mich natürlich ein weiteres Erlebnis wäre, bedeutet für die Zebras Alarmstufe rot. Flugs entfernen sich die anderen ebenfalls, um Sekunden später wieder am Loch zu stehen. Falscher Alarm, das Schlangestehen an der Wassertheke mit unter Berücksichtigung der geltenden Abstandsregeln kann weitergehen.

13 Uhr: Elefant auf 3 Uhr. Aus sicherer Entfernung pushe ich schon mal die Kamera auf 20 Mb-Fotos hoch. Doch der Koloss, bewegt sich unaufhörlich auf unser Auto zu, bis wir quasi Linse an Rüssel gegenüber stehen. Vorbildlich mit Blick nach rechts und Links überquert er die Straße, ohne unser Gefährt anzurempeln. Im Gegenteil: Benjamin Blümchen stellt sich direkt neben unser Fahrzeug, knabbert relaxed am Dornbusch und lässt mir sogar noch Zeit für das eine oder andere Selfie. Wir haben ohnehin Glück. Die Bullen sind harmlos, ein Weibchen mit Baby hätte und mit Rüsssel und lautem Töröö in die Flucht oder in die Büsche gejagt.

Tja – und irgendwann war es dann doch so weit. Achtung, Nashorn von rechts. Nashörner in Namibia – sie sind Touristenmagnet, Objekt der Begierde für Wilderer und gleichzeitig einer der größten Artenschutzerfolge und Misserfolge weltweit. Wenn man denn eins findet. Dabei gibt es die gemütlichen, aber größeren Breitmaulnashörner und die kleinere, aber deutlich aggressivere Spitzmaulvariante.

Mittlerweile macht es schon gar keinen Sinn mehr, den schwergewichtigen Freund aus der Entfernung zu fotografieren, denn früher oder später wird er die Fahrbahn überqueren. Und es dauert wiederum nicht lange bis das obligatorische Foto Big One auf der Strasse im Kasten ist. Mittlerweile kann ich schon ein eigenes Fotoalbum mit dem Titel Streetart einrichten. Aggressiv war der Genosse jedenfalls nicht.

Es gibt teure und tagelange Safaris, wo mit Guide und Spurenleser die Begegnung mit einem Rhino geradezu erzwungen wird. Oft dann auch vergeblich. Doch wir fahren gemütlich unsere Strecke entlang und Papa Rhino passiert ebenso gemütlich die Straße. Wenn das mal keinem Sechser im Lotto gleichkommt. Und die Superzahl kam wenig später in Form eines zweiten Exemplar daher.

Da dies heute ein Liveblog ist und ich um 15.30 Uhr nicht mehr damit rechnete, einen weiteren der Big 5 zu sehen war ich gedanklich schon beim Schlusswort. Doch dann geschah das unglaubliche – aber nur fast und weil wir falsch abgebogen waren. Denn hinter einem Busch gehen Mutter und Kind spazieren. Leider kein Leopard, sondern nur der etwas schmächtigere Gepard. Egal – in rund einer halben Stunde haben wir Etosha durchquert und quasi jedem Bewohner die Pfote geschüttelt. Mehr geht fast nicht.

P.S. Abseits der Big Five gibt es natürlich noch viele andere Tiergattungen mit teils skurrilen Namen. So überfahren wir fast eine Puffotter und bestaunen einen Sekretärvogel. Der hat Nackenfedern im Gefieder wie einst die Sekretärinnen früher den Bleistift im Haar. Lg an H1

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