Dünenwanderung

Freitag, 28. Mai – Sossusvlei

Heute sind wir mitten drin. Nämlich in Landschaften, die wie gemalt aussehen. Das ist die Namib-Wüste oder wie sie hier heißt: die Semi-Rock-Desert. Also die Halb-Steine-Wüste. Der Name kommt daher, dass man sich bei etwas Regen wie in der Savanne fühlt, bei Dürre hingegen wird die Steppe ruckzuck zur sandigen Wüste. Stundenlang sehen wir nur ein, zwei Autos, die uns entgegen kommen und winzige Dörfer, die mitten im Nirgendwo liegen.

An den Strecken grasen Warzenschweine, Zebras, Antilopen oder Springböcke. Ab und zu eine Herde Paviane und natürlich der eine oder andere Strauß. Hier muss man wenigstens nicht unter den Rock schauen, um den weiblichen vom männlichen Vogel zu unterscheiden. Denn das erkennt man an den Federn. Der männliche Strauß ist schwarz, das weibliche Federvieh grau. Oder umgekehrt, so genau weiß ich das jetzt auch nicht mehr. Höhepunkt des Wild-Watchings war allerdings ein Gnu, das mit seiner hellblau schimmernden Mähne schon von weitem sichtbar ist. Allerdings nicht nur von Touristen, sondern vor allem auch von Jägern. Zweibeinigen, wie Vierbeinigen.

Den Erfolg der Zweibeiner sah ich dann abends auf dem Teller. Kudu, Oryx und die mir bis dato nicht bekannte Elen-Antilope machen das Wüstenrestaurant zum Gourmettempel. Ein Tier ist definitiv nicht für die Pfanne bestimmt. Der Schabracken-Schakal, kurz Sch-Sch. Sein Rücken sieht aus wie eine Schabracke. Was mir nicht ganz klar ist, kenne ich das Wort nur in Verbindung mit älteren Damen.

Neben Wildtieren fallen auf den Straßen kleine gelbe Holzkisten auf. Achtung Geschwindigkeitskontrolle sollte man meinen. Doch warum brettern hier selbst die Linienbusse bei Gempo 60 mit über 100 km/h über die Piste. Die Erklärung ist einfach, denn die Dinger sind nutzlos. Der Betrieb läuft ausschließlich über kleine Solarpanele,n die von den Anwohnern abgeschraubt und zum häuslichen Eigenbedarf verwendet werden.

Unterwegs hatte ich den Tipp bekommen, unbedingt auch den Sesriem Canyon zu streifen. Viele Touristen lassen ihn aus, weil sie in der Gegend nur schnell die Fotos der berühmten Sanddünen knipsen und dann weiterziehen. Das liess ich mir nicht zwei Mal sagen. Als wir das Tor passieren wollten, um zum Canyon zu gelangen, kam ein Mitarbeiter und verlangte entgegen aller Infos 15 Euro Eintritt. Mh, ist es das wert? Er gab aber gleich den Tipp, es morgen mit den Sanddünen zu kombinieren. Das wäre dann billiger. Auf die Frage wie denn das Ticketsystem generell funktioniere erhalte ich die Antwort: nicht existent. Mein Vorschlag, das nicht existierende Ticket einfach auf morgen zum Kombipreis zu datieren wurde an den zuständigen Supervisor geleitet. Antwort binnen 5 Minuten: kostet heute gar nix. Erstellung eines manuellen Tickets zu kompliziert.

Wir fuhren dann die paar Kilometer zum Canyon und staunten nicht schlecht. Am Parkplatz angekommen sahen wir eine Spalte. Wir schnappten unsere Kameras und stiegen die knappen 10 Meter bergab. Um uns herum einfach nichts außer Steinwänden. Wir stolperten über Steine, kletterten über große Felsbrocken und suchten den Grand Canyon. Nix. Die 15 Euro hat vermutlich noch nie einer gezahlt.

Am nächsten Morgen standen wir dann brav vor dem Gate, das um 6:30 Uhr die Tore zum Sossusvlei und zum Deadvlei öffnet. 6.30 Uhr deshalb, da wir dann den perfekten Sonnenaufgang inmitten rot schimmernder Sanddünen erleben und noch besser fotografieren konnten. Die Landschaft ist ohnehin atemberaubend. Links und rechts der Straße liegen über 300 Meter hohe Dünen, alle knallig rot im grellen Kontrast zur gelben Steppe und zum blauen Himmel. Man erklärt uns, dass die Dünen im Innern aktiv sind und wandern, allerdings nur rund drei Millimetern Jahr statistisch gesehen ist die bekannte Düne Nr. 45 dann in 1 Milliarde Jahren in der Wetterau angekommen.

Da ich also die Düne nicht wandern sehen kann, wird die Düne mich nun wandern sehen. Am Ende der Straße liegen sie, Big Daddy – 320 Meter hoch – und Big Mama, immerhin auch nicht 280 Meter. Big Kids gibt es allerdings keine,

Der Aufstieg zu Big Papa war allerdings anstrengender als gedacht. Rund 90 Minuten dauert der Aufstieg entlang der Scheitelpunkte, doch dann sieht man die Belohnung für die anstrengende Tour. Wir waren hier. In der Einsamkeit der Namib. Vor uns die orange-rötlichen Sanddünen, die uns gerade in perfektem Licht anleuchteten, der strahlend blaue Himmel, der den wohl tollsten Kontrast zu den Dünen darstellte. Da hat sich die Natur mal wieder selbst übertroffen, denn wir blieben erstmal sitzen und genossen die Farb-Komposition aus Sand mit einem grauen Felsmassiv und einer weißen Tonpfanne als extra Hingucker.

Dann konnten ich aber nicht mehr anders. Während ich in Mauretanien noch barfuß die Dünen runterpurzelte ging’s hier nun auf dem Hosenboden bergab. Alufolie drunter und dann quasi Schlittenfahrt den steilen Abhang hinunter.

Die Fahrt endete an der Pfanne. Eine weiße Mondlandschaft mit alten abgestorbenen Bäumen. Jetzt bin ich mitten im Todestal, dem Deathvlei. Die Landschaft ist mehr als skurril. Alfred Hitchcock hätte hier seine Freude an einem neuen Thriller gehabt. Ausgelaugt vom Aufstieg und entspannt von der Abfahrt komme ich mir jetzt irgendwie verlassen vor. Fehlt nur noch dass mir die Bäume hinterher laufen und fertig wäre der Gruselklassiker.

Bevor es weiter mit unserem Roadtrip ging machten wir noch einen Stop am so genannten Sossusvlei am Fuße von Big Mama. Sossus heißt Tal und Vlei auch, also bin ich gerade im Tal-Tal. Seit Jahren führt es zumindest wieder etwas Wasser. Allerdings nur ein Klacks dessen, als das komplette Tal noch in der Regenzeit überschwemmt war und ich jetzt an der Stelle vermutlich bis zum Kinn Land unter hätte melden können.

Unter einem massigen Kameldornbaum sahen wir nochmals ein Oryx. Einfach so durch die Dünen streifen. Ein letztes Motiv bevor es zum Sundowner in die Nähe der Unterkunft ging. Auch hier wieder ein unbeschreibliches Farbenspektakel.

P.S. Die dich langen Roadtrips in der Namib laden zum Erfinden neuer Bauernweisheiten ein: Oryx zur linken – Glück wird dir winken. Springbok von Rechts – ein Schreck und dann crashts.

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