Der Mauretanien-Blog

30. März 2021: Nouakchott

KONVERSATIONSSPIELE

Nouakchott again. Durch die geänderten Flüge mit Turkish verbleibt ein weiterer Tag in der mauretanischen Hauptstadt. Und wer die Blogs bisher verfolgt hat, weiß bereits jetzt, dass sich die Spannung und Vergnügen in Grenzen halten. Also drehen wir die Uhr nochmals um 12 Stunden zurück. Treffpunkt: das Chicago auf dem „Champs“ Elysee Nouakchotts.

Die mauretanische Speisekarte bietet nicht nur westafrikanische Küche, sondern auch den üblichen Mix aus Pizza, Pasta und zähen Steaks. Jedenfalls im Chicago. Das Restaurant ist dunkel, das Steak eine bessere Schuhsohle und zu trinken gibt es Wasser, Cola Zero ohne Zero und alkoholfreies Bier aus Holland mit dem treffenden Namen Bavaria.

Im Hintergrund laufen Fußballspiele aus der afrikanischen WM-Qualifikation. Elfenbeinküste gegen Äthiopien. Ein einseitiges Spiel und von der Stärke der Mannschaften ein Vergleich wie Deutschland gegen Nordmazedonien. Kleiner Gag am Rande, das Ergebnis der Herren um Jogi Löw war da noch nicht bekannt. Nun ja – es plätschert alles vor sich hin, was auch mit mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten meinerseits zu tun hat. Französisch ist nun mal nicht meine Kernkompetenz. Neben einem Franzosen als offensichtlichem Geschäftsführer der Hütte und drei Köchen in der offenen Küche tummeln sich noch zwei Bedienungsdamen.

Will man wissen, wo sie herkommt, sagt man einfach Senegal und erhält dann prompt eine Antwort: Guinea, Conakry. Letzteres ist die Hauptstadt des Landes. Die andere Dame ist weniger gesprächsfreudig, ihr ist noch nicht mal das Passwort fürs WLAN zu entlocken. Dafür bejaht sie meine Ein-Wort-Frage Senegal mit einem sprachlosen Nicken.

Die zweite Frage ist bereits die erste Herausforderung. Über den Google-Translator frage ich nach dem Namen und halte ihr das Handy vor die Nase. Die Reaktion: Ah, ok! Offensichtlich hat die Frage nach dem Namen noch weitreichendere Folgen. Doch zunächst bestelle ich das nächste alkoholfrei mit dem Zuruf Ah, ok! und einer wedelnden leeren Bavaria-Flasche. Die zweite Person hat mittlerweile den Spitznamen B No, weil sie auf alles nein sagt.

Ah ok! bringt ein frisches Bavaria und wirft eine gerollte Serviette auf den Tisch. Was mir irgendwie verborgen bleibt, denn erst nach 29 Minuten bemerke ich das Stück Papier. Ich rolle die Serviette auf und finde … eine Telefonnummer. Allerdings ist eine Ziffer dermaßen verschnörkelt und lässt selbst den gewieftesten Schriftenentzifferer verzweifeln. Nun ja – Telefonnummern sind bekanntlich dazu da, angerufen zu werden. Also Versuch Nummer 1: kein Anschluss…, Versuch Nr. 2: kein Anschluss…, Versuch Nr. 3 per WhatsApp: gibt’s nicht in Mauretanien, Versuch Nr. 4 per SMS: kann nicht zugestellt werden. Das Spiel geht weiter. Nach einigen weiteren Versuchen kommt zumindest eine funktionierende Telefonnummer heraus. Aber wer verbirgt sich dahinter? Keine Ahnung.

Nun drehen wir den Spieß um. Bei der nächsten Bestellung wird wieder eine Serviette mit einer geheimnisvollen Botschaft zusammengerollt. Diesmal steht eine deutsche Handynummer drauf. Ah, ok! blickt kurz drauf und es passiert … nix! Und die Moral von der Geschichte: Westafrikanische Damen sind wie kleine Kätzchen. Sie wollen nur spielen.

Am nächsten Tag komme ich zur Mittagszeit wieder vorbei. Die Bedienungen haben gewechselt. Nr. 3 erklärt, dass eigentlich alles auf der Speisekarte aus ist, wir nennen sie darauf C All Out. Und Nr. 4 heißt D Rocket. Das erkläre ich jetzt aber nicht weiter und überlasse es der Phantasie des Lesers.

Der Tag selbst beginnt mit einem COVID-Test und dem Besuch zweier Märkte. Dem Zentralmarkt und einem Markt am Straßenrand. Das Sortiment ist groß aber unspektakulär. Lediglich Geldwechsler mit noch nie gesehenen 10000er Scheinen versuchen erfolglos ihr Geschäft. Dem Fotostopp bei der Saudi-Moschee folgt ein weiterer Stadtbummel.

P.S. Den Abend spare ich mir. Afrikanische Fußballspiele bei alkoholfreiem Bier und namenlosen Bedienungen sind heute nicht angesagt. Stattdessen trinke ich einen Kaffee in einem Lokal mit fünf einheimischen Jungs. Und surprise, surprise … die hatten alle einen Namen.

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