Der Mauretanien-Blog

20. März 2021: Nouakchott

NOUAKSCHOCK

Ein „letztes Bier beim Türken“, um genauer zu sein im riesigen neuen Istanbul-Airport, bevor ich in den Flieger nach Nouakchott einsteige. Mich fasziniert immer noch die Preispolitik der beiden Pubs dort. Das 0,3er Glas Efes kostet 3 Euro, bei 0,5 wirds gerade 50 Cent teurer, aber den 0,7er Bembel serviert der Barkeeper hier für laue 4 Euro. Solche Kaufanreize nimmt der Kunde gerne wahr. Eigentlich ist dies aber nur ein erster Hinweis, dass sich Mauretanien nicht umsonst Islamische Republik nennt. Denn Alkohol ist für die kommenden 11 -Tage vermutlich tabu, der Verkauf in Geschäften und Restaurants verboten und von Bars wollen wir erst gar nicht anfangen. Mauretanien ist ein streng islamisches Land und so „trocken“ wie der Iran oder auch Afghanistan.

Allerdings ist nicht ganz klar, ob man sich für den ersten Tag etwas Proviant mitnehmen kann. Denn im Gegensatz zum Iran wird der durstige Tourist bei der Einreise mit einem Bier im Rucksack nicht gleich mit Peitschenhieben empfangen. Allerdings gibt es auch andere Quellen.

Ursprünglich wollte ich mit der Maroc Air über Casablanca fliegen und Abends ankommen. Nur läßt Marokko mittlerweile nicht einmal mehr Transitreisende ins Land, so dass mir Istanbul die bessere Option erschien. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich bereits Samstags nach einer rund zweistündigen Einreiseprozedur um 7 Uhr morgens im Hotel war. Also nichts wie in die vermutlich seelenloseste Hauptstadt des afrikanischen Kontinents.

Bereits im Landeanflug zeigt der Blick durchs Fenster nichts als Wüstensand. Gut, wir sind ja quasi in der Sahara und da schluckt man bereits auf der Gangway eine erste Brise die durch das nunmehr kostenlose Efes im Flieger nicht ganz so trockene Kehle hinunter. Der Flughafen ist klein und die Einreisemodalitäten wie gesagt kleinkariert. Ein Taxifahrer zwängt sich mit dem Gesicht durch den unteren Spalt einer Trennwand und bietet seine Dienste an. Etwas übermüdet -spare ich mir den üblichen Ärger mit überteuerten Preisen. Denn diesmal hatte ich mich per Shuttle abholen lassen. Eine gute Idee, zumal die Wechselschalter noch geschlossen waren, so dass sich ohnehin nicht hätte bezahlen können. Über das Thema Geldautomat verlieren wir an dieser Stelle besser kein Wort. Es gibt zwar welche, aber aus den wenigsten kommt Geld heraus.

Nouakchott also. Oder soll man gleich Nouakschock sagen? Breite geteerte Straßen, breite Gehwege, freilich zugeweht vom Sand und voller Muschelstücke. Man stapft wie über einen Strand, allerdings nicht ohne den obligatorischen Plastikmüll. Die Häuser gesichtslos, selten höher als zwei Stockwerke. Die Stadt wurde erst in den 60ern angelegt, die Städteplanung danach irgendwie vergessen. Vermutlich auch eine Frage von Amigowirtschaft und Korruption. Das Zentrum scheint ohnehin nur aus Handyshops zu bestehen, das Auffinden eines kleinen Cafes zwecks mauretanischen Frühstück wird da schon zum Erfolgserlebnis. Zumal der Mauretanier vor Ort mangels Touristen oder sonstiger Möglichkeiten auch nur des Französischen (wenn überhaupt), eines arabischen Dialekts oder der Berbersprache mächtig ist. Alles nicht so meine Kernkompetenz.

Durch den Flug mit Turkish kommt mein Programm etwas ins Trudeln. Die erste Nacht in Nouakchott wird gecancelt, dafür der direkte Weg in das Ardar Bergland angetreten. Orte aus Blechhütten und kleinen viereckigen Steinhäusern liegen am Rand, umzäunt von Autowracks, die wie dicke Latten in den Boden gerammt sind. Die Orte verschwinden allmählich und einzelne Kamelherden beherrschen das Terrain.

Vier Polizeiposten müssen passiert werden. Es ist immer das gleiche: die Posten sammeln Passkopien ein, man will ja wissen, wer gerade wo im Land ist. Es geht ganz fix, auch wenn wir überall der eine oder andere Kontrolleur der Gendarmerie oder Nationalpolizei den dicken Max raushängen lässt.

Einen ersten Eindruck bietet die Versorgung mit Lebensmitteln. Eine korpulente Frau im farbigsten Matronenalter verkauft Brot und Wasser. Gut. Dazu gibt‘s Ratschläge, keine Sonnencreme zu benutzen. So werde ich aufgeklärt, dass Frauen sich lieber wie eine ordentliche Tochter Allahs bedecken sollen, dann brauchen sie keine Sonnencreme. Es sollte nicht die einzige Begegnung mit Allah Heute sein. Sein Name dudelt in endlosen Sprechgesängen im Radio. Und wenn nur einmal Rhythmus ins Gesumse kommt, dann wird schnell zum nächsten Laienprediger umgeswitcht.

Da konzentriere ich mich lieber auf die landschaftlichen Reize: das schroffe, überall gesplitterte Gestein, seine dunklen, manchmal ganz schwarzen Facetten. Die Dämmerung ist kurz. Der Mond als österlicher Vollmond im Anmarsch scheint bereits, als wir eine Oase anfahren, den Schattenriss der Umgebenden Dünen, wo man in Zelten auf Bastmatten liegt, Tee schlürft, Brot dazu isst und sich wünscht einfach einzuschlafen. Doch dazu morgen mehr.

P.S.: Das mit der Sonnencreme habe ich nicht verstanden. Männer erhalten diese nicht, Frauen sollen sich ordentlich kleiden, damit sie keine brauchen. Warum aber gibt’s die dann überhaupt im Angebot? Den ersten Sonnenbrand erwartend ziehe ich von dannen.

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